Zwölf Expertentipps beim Kauf einer Eigentumswohnung


Expertentipp 1: Vorher besichtigen!

Die allererste Regel lautet: Kaufen Sie nie eine Wohnung, ohne sie vorher besichtigt zu haben. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, aber häufig wurde die Erfahrung gemacht, dass die meisten Fehlinvestitionen genau deshalb zustande kommen, weil sich Käufer nicht an diese grundlegende Regel halten.


Der Grund ist eigentlich kaum nachzuvollziehen, denn wer würde beispielsweise ein gebrauchtes Auto kaufen, ohne sich dieses angeschaut und Probe gefahren zu sein? Eine Wohnung ist jedoch meistens deutlich teurer als ein Gebrauchtwagen, und so sollte man denken, dass jener Grundsatz, erst recht bei dem Kauf einer Eigentumswohnung berücksichtigt werden muss.


Dass trotzdem immer wieder Kapitalanleger eine Eigentumswohnung kaufen, ohne sie vorher zu besichtigen, lag oftmals daran, dass viele Käufer, die aus steuerlichen Erwägungen eine Immobilie kaufen, kurz vor Jahresabschluss hektisch solche Entscheidungen trafen. Es ist zu hoffen, dass nach dem weitgehenden Wegfall steuerlicher Vergünstigungen solche „Dezember-Kaufentscheidungen“ nicht mehr so oft vorkommen wie in der Vergangenheit. Auch gestaltet sich die Besichtigung bei einer vermieteten Wohnung vielleicht schwierig, weil „der Mieter nicht oft da ist“. Dennoch: bestehen Sie auf einer Innenbesichtigung, das spart Ihnen nachher unangenehme Überraschungen.



Expertentipp 2: Lage Lage Lage

Die zweite wichtige Regel lautet: Beim Kauf einer Eigentumswohnung kommt es vor allem auf die richtige Lage an. Die Lage ist das Einzige an der Immobilie, was sich nicht ändern lässt. Immobilienprofis schwören auch heute noch immer auf die alte Regel, dass die Lage entscheidend ist. Grade deshalb ist es ja so wichtig, dass Sie die Eigentumswohnung vor Ort besichtigt haben. Denn wie sonst sollen Sie sich ein Bild von der Lage machen? Im Exposé wird die Lage natürlich in den schönsten Worten beschrieben, so wie es auch andere Branchen mit ihren Produkten machen z.B. Reiseveranstalter.


Sie müssen die Lage selber prüfen. Manchmal wird gesagt, Sie sollten sich überlegen, ob Sie selbst in die Wohnung einziehen würden, und diese dann nur kaufen, wenn Sie die Frage positiv beantworten würden. Natürlich ist der Kauf einer Wohnung als Kapitalanlage wahrscheinlich eine richtige Entscheidung, wenn Sie selbst dort einziehen würden. Dies muss jedoch nicht das Kriterium sein. Vielleicht wohnen Sie in einem schönen Villenviertel – und wollen auch gar nicht woanders hin, entscheiden sich aber für den Kauf einer Eigentumswohnung in mittlerer oder zentraler Wohnlage. Sie müssen auf jeden Fall versuchen, sich gedanklich in die Lage zu versetzen, als würden Sie in das Kaufobjekt einziehen wollen.Versuchen Sie sich vorzustellen, ob ein potentieller Mieter dort gerne einziehen würde. Nur wenn das dauerhaft gegeben ist, lohnt sich die Investition.Dazu gehört natürlich, dass Sie die Infrastruktur prüfen. Altbauwohnungen haben gegenüber neuen Projekten manchmal den Vorteil, dass sie infrastrukturell besser erschlossen sind. Prüfen Sie vor allem, wie gut die Verkehrsanbindung ist. Ist die Wohnung mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen? Wie sieht es mit Parkflächen aus? In innerstädtischer Lage ist es sehr wertvoll, wenn Sie eine Wohnung mit Stellplatz oder einer Garage erwerben können.


Wenn Sie eine größere Wohnung kaufen, in die vielleicht eine Familie einziehen könnte, dann prüfen Sie auch, wie kinderfreundlich das Umfeld ist, also ob es Spielplätze, Kindergärten und Schulen in der Nähe gibt.


Prüfen Sie auch die Lärmsituation. Natürlich kann man da in der Stadt nicht den gleichen Maßstab wie auf dem Land oder in ruhigen Gegenden am Stadtrand anlegen. Mieter die zentrale Lagen bevorzugen, haben meist auch eine größere Toleranz bezüglich der Lärmsituation. Die besten Lagen sind die, welche zugleich zentral aber auch ruhig sind, zum Beispiel in Seitenstraßen von großen Hauptverkehrsstraßen.


Sie können die nachfolgende Checkliste als Ausgangspunkt nehmen und dabei durchaus auch eigene Kriterien hinzufügen oder Punkte ändern, sodass Sie Ihren persönlichen Anforderungen entspricht. Es ist auf jeden Fall hilfreich, bei der Besichtigung von verschieden Eigentumswohnungen eine solche Checkliste mit einem Punktsystem auszufüllen, weil Sie dann quantifizierbare Vergleichsmöglichkeiten haben.

VorteilePluspunkteNachteileMinuspunkte
Abzüge, wenn in der Nähe
Gefragter Bezirk: Zentrum oder Grünbezirk


Ruhige Seitenstraße


Umgebung mit Atmosphäre gute Mischung aus kleinen Läden, Wohnungen, Cafés


Südlage


Breite Straße
30


20


10


10


4
Autobahn, Schnellstraße


Industrie


Kläranlage


S-Bahn oder Bahngleise


Tankstelle
-20


-15


-15


-10


-10
Bäume


An einem Platz


Weiter Blick


Eingebunden in Umgebung, kein Solitär


Intakte Bebauung (wenig Baulücken) in der Nähe


Am Wasser (Kanal)


Gärten in den Höfen


Vorgärten
4


4


4


4


4


2


2


2
Größere Gaststätte, Diskothek


Supermarkt


Großer Parkplatz


Feuerwehr


Umspannwerk


Gasspeicher


Friedhof etc.
-10


-4


-4


-4


-4


-2


-2
100 -100
Addieren Sie alle Punkte. Ziehen Sie davon alle Minuspunkte ab.

·         Gesamtsumme weniger als 50 Punkte: Finger weg!

·         Zwischen 50 und 80 Punkten: Preis verhandeln

·         Ab 80 Punkte: interessant!




Expertentipp 3: Bevorzugen Sie „mietergeprüfte“ Wohnungen


Positiv zu bewerten ist es auf jeden Fall, wenn in der Wohnanlage bereits viele Mieter selbst ihre Wohnung zur Eigennutzung erworben haben. Das ist das beste Qualitätsmerkmal. Denn wer sonst sollte die Qualität einer Immobilie beurteilen können, wenn nicht der Mieter, der schon viele Jahre dort wohnt? Hinzu kommt: Eine hohe Quote von Eigentümern, die zur Selbstnutzung in dem Haus wohnen, ist vorteilhaft, weil diese Eigentümer darauf achten, dass das Gemeinschaftseigentum pfleglich behandelt wird. Zudem besuchen Eigentümer, die selbst auch dort wohnen, regelmäßig die Eigentümerversammlung und kontrollieren die Hausverwaltung sehr viel besser als eine Gemeinschaft, die ausschließlich aus Kapitalanlegern besteht.



Expertentipp 4: Zuerst in einer Stadt, die sie gut kennen


Wichtig ist auch der Ruf jenes Viertels oder jener Straße, in der sich die Wohnung befindet. Dies ist übrigens einer der Gründe, warum Sie – dies ist die vierte Regel – meiner Meinung nach Ihre ersten Käufe am besten in einer Stadt tätigen sollten, die sie gut kennen. Das kann die eigene Stadt sein, oder eine Stadt, in der Sie mal gelebt oder studiert haben, oder in die Sie häufiger zu Besuch fahren. Hier kennen Sie sich aus. Hier kennen sie das „Image“ eines jeden Bezirkes. Hier können Sie auch am ehesten einschätzen, wie sich die soziale Zusammensetzung der Mieterschaft voraussichtlich in den nächsten Jahren entwickeln könnte. Es ist oft schwer, für eine völlig fremde Stadt, in der Sie sich gar nicht auskennen, solche Fragen zu beantworten. Selbst wenn Sie die Wohnung dort mehrmals besichtigen, können Sie niemals so sicher sein wie bei einem Kauf in einer bekannten Stadt. Da ist es auch am einfachsten für Sie, die Preise für Wohnungen und die zu erziehenden Mieten zu vergleichen. Sie können im Internet nachschauen oder sich den Mietspiegel besorgen und damit ein Bild von dem Mietniveau erhalten. Natürlich soll damit nicht gesagt sein, dass es nicht auch Fälle gibt, in denen eher davon abzuraten ist, in der eigenen Stadt eine Eigentumswohnung zu erwerben, und es sich eher lohnt, in einer anderen Stadt nach einer geeigneten Eigentumswohnung Ausschau zu halten. So wird es beispielsweise in manchen Städten in strukturschwachen Gegenden nicht so einfach sein, zukunftsträchtige Eigentumswohnungen zu kaufen.



Expertentipp 5: Fragen Sie die Bewohner


Der fünfte Tipp: Wenn Sie die Eigentumswohnung besichtigen, dann sprechen Sie mit den Menschen, die in diesem Umfeld wohnen. Sie bekommen so zahlreiche wertvolle Informationen. Wie viel Leerstand gibt es? Welche Lärmbelästigung gibt es? Viele Menschen sind auskunftsfreudiger, als Sie vielleicht denken, wenn man sie nett und freundlich anspricht. Die besten Experten für eine Wohnung sind immer noch jene Menschen, die in dem betreffenden Haus wohnen.



Expertentipp 6: Fragen Sie nach Mietobergrenzen


Die sechste Regel lautet: Informieren Sie sich unbedingt, ob es bestimmte Grenzen für die Miete gibt, die Sie verlangen dürfen. Dies ist beispielsweise unter Umständen in sogenannten „Sanierungsgebieten“ (§ 144 Baugesetzbuch) und „Milieuschutzgebieten“ (§ 172 BauGB) möglich. Dort gibt es möglicherweise Mietobergrenzen, die es Ihnen nicht erlauben, die Mieten im ansonsten gesetzlichen erlaubten Maß anzuheben. Auch bei Sozialwohnungen gibt es bestimmte Regeln, wie Belegungsrechte, die Sie berücksichtigen müssen. Leider ist es nicht immer ganz einfach, dies herauszubekommen. Ob es sich um ein förmliches festgelegtes Sanierungsgebiet handelt, können Sie dem Grundbuch entnehmen. Aber ob es beispielsweise ein Milieuschutzgebiet ist, steht leider in keinem Grundbuch. Auskunft darüber geben in jedem einzelnen Fall die jeweiligen Stadtplanungsämter, die Ihnen auch etwas zu möglichen Mietobergrenzen sagen können. Wenn Sie zum Kauf der Eigentumswohnung einen Rechtsanwalt oder einen Immobilienfachmann heranziehen, dann sollten Sie durch ihn diese Fragen prüfen lassen. Zumindest sollten Sie dem Verkäufer vor dem Abschluss des Kaufvertrags die Fragen stellen, ob Ihre Wohnung in einem Sanierungs- oder Milieuschutzgebiet liegt oder ob es bestimmte Begrenzungen der Miethöhe gibt, die außerhalb des normalen Mietrechts liegen. Natürlich ist es unabdingbar, dass solche Aussagen nicht nur mündlich gegeben werden, sondern später auch im Kaufvertrag festgehalten werden. Wenn der Verkäufer Ihnen entsprechende Zusicherungen gegeben hat, sollten Sie den Notar beim Abschluss des Kaufvertrags bitten, diese dort aufzunehmen.

Gerade dann, wenn Sie die Wohnung mit einem Sanierungspaket kaufen, ist es wichtig. Denn selbstverständlich wollen Sie nach der Instandsetzung und Modernisierung der Wohnung die Miete im gesetzlichen zulässigen Maß erhöhen um die Investition zu refinanzieren. Oft gab es Fällen, in denen der Käufer zu spät gemerkt hat, dass dies nicht möglich ist, weil es bestimmte Mietobergrenzen gibt, an die er gebunden ist.



Expertentipp 7: Mietgarantien nicht zu wichtig nehmen


Kaufen Sie niemals eine Wohnung, nur weil man Ihnen eine bestimmte Mietgarantie gibt. Mietgarantien sind vor einigen Jahren in die Mode gekommen, und gerade unerfahrene Käufer fragen nach solchen Garantien. Der erfahrene Käufer weiß: Die beste Mietgarantie ist eine gute Lage. Eine schlechte Wohnung wird niemals durch eine Mietgarantie zu einer guten Investition. Nicht selten passiert es, dass eine GmbH mit 25.000 Euro Einlagekapital der Mietgarant ist und diese GmbH schon nach kurzer Zeit pleitegeht. Aber selbst wenn dies nicht so sein sollte, dann nützt Ihnen die Mietgarantie nichts, wenn nach dem Auslaufen der Garantie nur eine deutlich niedrigere Miete erzielt werden kann. Man hat es schon erlebt, dass Mietgarantien für acht oder zehn Euro pro Quadratmeter ausgesprochen wurden, obwohl das Mietniveau in der entsprechenden Lage nicht einmal bei sechs bis sieben Euro lag. Das Ergebnis: In den ersten Jahren können Sie Zinsen und Tilgung ohne weiteres zahlen, weil die Steuerersparnis und Einkünfte aus der Mietgarantie mehr als ausreichend sind. Wenn die Mietgarantie jedoch ausläuft und Sie feststellen, dass Sie eine deutlich geringere Miete erzielen, dann bekommen Sie ein Problem. Man sollte nicht prinzipiell davon abraten eine Mietgarantie in Anspruch zu nehmen. Manchmal kann dies sehr sinnvoll sein, um bestimmte Durststecken am Anfang (Erstvermietung, Leerstand bei Mieterwechsel oder Modernisierung) zu überbrücken. Es ist auch steuerlich ein schöner Effekt, dass Sie den Betrag, den Sie vielleicht vorab für die Mietgarantie zahlen müssen, gleich als Werbekosten steuerlich geltend machen können. Aber Sie sollten prüfen, ob die Mietgarantie in etwa in der Nähe der tatsächlich zu erzielenden Miete liegt. Jedoch sollten Sie bei dem Erwerb von denkmalgeschützten Eigentumswohnungen beziehungsweise von Immobilien in Sanierungsgebiet beachten, dass in diesem Fall § 15b EStG greift: Erwerben Sie im Zusammenhang mit dem Immobilienkauf noch weitere entgeltliche Leistungen (wie etwa Mietgarantien), die Werbungskosten produzieren, kann es passieren, dass Sie die erhöhten Abschreibungsmöglichkeiten für Denkmalimmobilien beziehungsweise Sanierungsobjekte nicht mehr in Anspruch nehmen können. (Der Gesetzgeber spricht dann von „Modellhaftigkeit“). Hierzu sollten Sie jedoch Ihren Steuerberater fragen.
Auf jeden Fall sollte die Mietgarantie für Sie niemals das entscheiden Argument beim Kauf einer Eigentumswohnung sein. Wenn Sie Zweifel haben, dass Sie die Wohnung zu dem Mietpreis vermieten können, den man Ihnen in Aussicht stellt, dann sollten Sie sich nach einer anderen Wohnung umschauen, statt sich durch eine Mietgarantie beruhigen zu lassen.



Expertentipp 8: Prüfen Sie den Grundriss

Prüfen Sie den Grundriss der Wohnung. Hier wird der Unterschied zwischen Eigentum und Kapitalanlage besonders deutlich. Wenn Sie eine Wohnung kaufen, um selbst dort einzuziehen, dann werden Sie sich genauestens mit dem Grundriss vertraut machen. Sie werden prüfen, ob Platz für den Wohnzimmerschank bzw. die Schrankwand ist und ob die Wohnung sinnvoll geschnitten ist. So wird zum Beispiel kaum ein Mieter Interesse an einer 4-Zimmer Wohnung habe, in der alle vier Zimmer die gleiche Größe haben. Die meisten Mieter wollen schließlich gerne ein großes Wohnzimmer haben, aber im Arbeits- oder Schlafzimmer benötigt man weniger Platz. Wo gibt es Platz für eine Waschmaschine, gibt es genügend Stauraum, wo passt ein großes Bett rein usw. sollte alles bedacht werden Berücksichtigen Sie auch, in welcher Etage die Eigentumswohnung liegt. Wohnungen im Erdgeschoss werden oft mit einem Preisabschlag verkauft, da sie aus der Sicht mancher Mieter Nachteile haben – wie zum Beispiel eine erhöhte Einbruchsgefahr, weniger Licht oder Einblicke von der Straße. Umgekehrt gilt: Wenn die Wohnung im fünften Stock liegt, es aber keinen Aufzug gibt, dann wird dadurch der potenzielle Mietkreis ebenfalls eingeschränkt. So kommt eine Vermietung an ältere Menschen nicht in Frage, und auch viele junge Leute haben keine Lust, jeden Tag ihre Einkaufstaschen, Kinderwagen oder Getränkekisten nach oben zu schleppen. All das müssen keineswegs Argumente gegen den Kauf einer Eigentumswohnung sein, aber Sie müssen diese Faktoren in Ihre Überlegung mit einbeziehen und auch bei einem Vergleich verschiedener Wohnungen (und verschiedener Preise) in Betracht ziehen.



Expertentipp 9: Baubegleitendes Qualitätscontrolling

Wenn Sie eine neu zu errichtende oder eine zu sanierende Eigentumswohnung kaufe, dann achten Sie auf einen garantierten Festpreis, der nicht überschritten wird. Sie sollten darüber hinaus auch auf einem festgelegten Fertigstellungstermin bestehen. Formulierungen wie: „Fertigstellung wird angestrebt bis zum …“ nützen Ihnen nichts. Bestehen Sie auf der Formulierung: „Die Fertigstellung wird garantiert bis spätestens zum …“
Vor allem müssen Sie sich aber mit der Baubeschreibung und der Qualität der Bauleistung befassen. Dies ist natürlich für einen Laien sehr schwierig. Wenn Wohnungen zusammen mit einer Modernisierungsleistung als Paket angeboten werden, gibt es im Exposé eine Baubeschreibung. Aber die meisten Kapitalanleger überlesen leider diese Baubeschreibung und befassen sich lieber mit der steuerlichen Prognoserechnung. Dies ist jedoch ein unverzeihlicher Fehler.

Auch sind diese Baubeschreibungen oft sehr allgemein, wesentliche Ausstattungsdetails fehlen oder sind sehr vage formuliert („oder gleichwertig“). Oft sind die Baubeschreibungen langatmig, aber nichtssagend. So wird beispielsweise bei Sanierungen und Instandsetzungen in Aussicht gestellt, dass Elektroleitungen „bei Bedarf erneuert werden“, Wasserleitungen „gegebenenfalls“ ausgewechselt werden usw.

Manche Bauherren lassen die Bauqualität durch externe Gutachter wie TÜV oder DEKRA vornehmen. Dann sie sind als Käufer auf der sicheren Seite. Dieses baubegleitende Qualitätscontrolling kostet je nach Objektgröße nur zwischen 0,5 und 1 Prozent der Baukosten, und dieses Geld ist immer sinnvoll investiert. Wenn mehr Kapitalanleger dazu übergehen würden, auf einer Baubegleitung zu bestehen, hätten die schwarzen Schafe der Branche keine Chance mehr. Wenn es kein baubegleitendes Controlling gibt, sollten Sie zumindest die Baubeschreibung einem in dem betreffenden Bereich (Neubau, Altbausanierung, Denkmalschutz usw.) erfahrenen Architekten zur Prüfung vorlegen.

Es versteht sich eigentlich von selbst: Wenn Sie eine gebrauchte Immobile ohne „Modernisierungspaket“ kaufen, dann sollten Sie besonders vorsichtig sein. Schwammbefall oder Materialschäden können zu erheblichen Problemen führen, und als Laie können Sie solche Probleme nicht immer erkennen. Am besten ist es, wenn Sie beim Kauf einer „Gebrauchtimmobilie“ einen Fachmann zu Rate ziehen. Zumindest sollten Sie eindeutig im Kaufvertrag festschreiben lassen, dass dem Verkäufer von Schäden am Bauwerk oder am Grundstück, insbesondere von Materialschäden oder Bodenaltlasten, nichts bekannt ist.



Expertentipp 10: Lassen Sie die Unterlagen von Ihrem Rechtsanwalt prüfen

Lassen Sie sich den Kaufvertrag rechtzeitig zuschicken und diesen dann durch Ihren Rechtsanwalt prüfen. Sie selbst haben als Laie nicht die geringste Chance, den Kaufvertrag zu verstehen. Wenn Sie nur zehn Prozent dessen verstehen, was dort formuliert ist, wäre das schon erstaunlich. Versuchen Sie es erst gar nicht. Der Notar ist zwar verpflichtet, Sie aufzuklären, er kann Ihnen jedoch nicht während der Verlesung des Vertrags so ganz nebenbei einen Schnelldurchgang durch das Jura-Studium vermitteln. Deshalb sollten Sie sich den Kaufvertrag und auch die sogenannte Grundlagenurkunde und die Teilungserklärung rechtzeitig vorab zuschicken lassen, und zwar unbedingt in der Form, wie später der Vertrag geschlossen werden soll. Das heißt, alle Dinge, die Sie mit dem Verkäufer vorher abgesprochen haben, sollte in diesem Exemplar schon enthalten sein. Geben Sie dieses Ihrem Anwalt zur Prüfung.

Auch der Notar ist zwar zur Unabhängigkeit und Neutralität verpflichtet. Aber oftmals wird es so sein, dass den Vertrag ein Notar beurkundet, der regelmäßig für den Verkäufer bzw. Bauträger tätig ist. Sie können auch von einem Notar, der seine Pflichten sehr ernst nimmt, nicht verlangen, dass er Sie in der gleichen Weise berät und aufklärt, wie dies Ihr Rechtsanwalt tut, der ausschließlich Ihre Interessen wahrnimmt. Übrigens ist es ganz wichtig, dass Sie selbst oder der Notar vorher das Grundbuch einsehen. Zwar ist der Notar dazu eigentlich verpflichtet, aber manchmal steht in den Verträgen, dass der Notar dies nicht getan hat. Bestehen Sie darauf, dass das vorher geschieht.

Bei Bestandsimmobilien lassen Sie sich unbedingt die Protokolle der Wohnungseigentümerversammlungen der letzten drei Jahre zeigen. Da können Sie gut erkennen, ob es streitbare Miteigentümer, störrische Hausverwaltungen oder wiederkehrende bauliche Probleme gibt. Nicht alle dort auftauchenden Probleme müssen vom Kauf abraten. Vielleicht ist daraus ja auch ersichtlich, dass bauliche Probleme, die es bei einer Immobilie immer mal geben kann, zeitnah beseitigt wurden und im Folgejahr nicht wieder auftauchen.



Expertentipp 11: Wohngeld und Erwerbsnebenkosten nicht vergessen

Bei Ihrer wirtschaftlichen Kalkulation sollten Sie von realistischen Werten ausgehen. Sie müssen nicht nur die Höher der Miete kennen, sondern auch die Höhe des Wohngeldes, das Sie als Eigentümer zu zahlen haben. Sie müssen wissen, wie hoch die Instandhaltungsrücklage und die Verwaltungskosten sind. Bei Bestandsimmobilien lassen Sie sich nachweisen, wieviel in der Instandhaltungsrücklage schon angesammelt wurde. Und Sie müssen beim Kauf der Wohnung selbstverständlich von realistischen Werten ausgehen, also neben dem eigentlichen Kaufpreis auch die Grunderwerbssteuer (je nach Bundesland unterschiedlich) sowie die Notar- und Gerichtskosten (etwa zwei Prozent), Maklerkosten und sonstige Aufwendungen berücksichtigen.



Expertentipp 12: Besichtigen Sie Referenzobjekte

Wenn Sie von einem Bauträger kaufen, dann besichtigen Sie Referenzobjekte und informieren Sie sich über seinen Ruf. Dies ist sowohl beim Neubau als auch bei der Altbausanierung wichtig. Wie lange ist der Bauträger schon am Markt tätig? Seriöse Anbieter sind stolz auf ihre Referenzobjekte und bestehen sogar darauf, Ihnen diese zu zeigen. Schwarze Schafe hingegen sind meist erst kurz am Markt – und dann unter wechselnder Firmierung.




Zum Schluss noch ein paar Dinge auf die Sie sonst noch achten sollten
Sicherlich gibt es noch viele weitere Dinge, die Sie beachten sollten außer unsere Expertentipps. Seien Sie sich bewusst, dass Sie mit dem Kauf einer Eigentumswohnung nicht nur das „Sondereigentum“ erwerben, sondern in eine Eigentümergemeinschaft eintreten. Sie kaufen vor allem einen Bruchteil des Gesamteigentums – sind also gemeinschaftlicher Eigentümer zusammen mit vielen anderen.
Der Immobilienerwerb ist jedoch keine Sache des theoretischen Wissens, sondern eine Sache der Erfahrung und des ständigen Dazulernens. Lernen werden Sie nur aus Ihren Fehlern. Sie sollten davor keine übertriebene Angst haben. Sie werden vielleicht einwenden, Sie hätten keine Zeit, vorher tausenderlei Dinge zu prüfen, Protokolle von Eigentümerversammlungen, Mietverträge usw. anzufordern. Sie sollten aber, und dies sei am Ende noch einmal eindringlich wiederholt, immer die Zeit haben, die Lage der Wohnung persönlich zu überprüfen, also das in Aussicht genommene Objekt sowie das Umfeld zu besichtigen und kritisch zu bewerten. Sie sollten immer die Zeit haben, sich über die Mieten und die Kaufpreise zu informieren. Sie sollten sich immer die Zeit nehmen, den Kaufvertrag Ihrem Anwalt zur Prüfung vorzulegen. Wenn Sie diese Punkte beachten, dann vermeiden Sie damit schon die hauptsächlichen Fehler, die bei vielen Kapitalanlegern zu Fehlinvestitionen führen.